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Bender Seitenwagen

Bender Seitenwagen – Stand der Dinge

Was bekannt ist:

– Es gibt offensichtlich Bender mit der Nr. 12618 – 12726; wenn die durchgezählt haben also mindestens 108 🙂

– Es gibt verschiedene Größen und Bezeichnungen: JM 130, Comet, LV, GM .Vom JM 130/39 unten das Prospekt.

…es gibt also offensichtlich ne ganze Reihe verschiedener Typenbezeichnungen – das Typenschild TP72251082 ist wohl eine vom deutschen TÜV vergebene Prüfnummer für Fahrzeuge ohne Fahrgestellnummer zur Eintragung vergeben. Zudem laufen einige Bender wohl als Steib um die Zulassung einfacher zu bekommen.

– Es gab eher keinen Lastenseitenwagen. Obwohl so bei eBay angeboten. Vielleicht ist ja der Rahmen ein BENDER.

– Es gibt BINDER- Seitenwagen aus der Metallwarenfabrick KARL BINDER, Reichertshofen Obb. Tel 2; Die heißen nicht nur anders, sondern sehen auch anders aus!

– Nach Produktionsende durch VIGGO BENDER in Dänemark kam es zu einer Neuauflage als BENDER-FLORIN Seitenwagen. Sehen, zumindest auf den Bildern genauso aus, es gibt offensichtlich ein anderes Logo, habe aber noch keinen ‚Live‘ gesehen. Die BENDER-FLORIN SIDEVOGNSFABRK war 1975 in Elverbo 9, 2840 Holte – Kobenhavn, Denmark, Tel(01)423797.

– Es gibt runde, schräge und eckige Kofferraumdeckel.

– Was rumfährt und noch nicht im Foto eingefangen ist (ich hoffe das mit dem Bild ändert sich…):

 

Horex Regina350 + Bender Rahmennummer 12703
BMW R69 + Bender (oder ist die noch im Aufbau?),
BMW R60 + Bender Bj. 1951 Typenschild: TP72251082
BMW R50/2 + Bender LV Nr. A4197 mit schräger Kofferraumklappe,
Nimbus Bj. 1953 + Bender ‚Sport Seitenwagen für Nimbus‘ Nr. 5453
BMW R50/2 Bj. 1964 + Bender JM 130/38 Fahrgestellnummer A4052, Gewicht 200kg BMW R51mit /3 JM 130/39 Nr 12678 , mit Kaufvertrag vom 30.10.79 , schwedische Zollpapiere vom 03.04.1980

– Imt Jahr 1981 wurgen von der ‚Beiwagen-Vertriebsgesellschaft‘ 8 Bender nach Deutschland importiert. Diese hatten die Fahrgestellnummer 12719 bis 12726. Die Beiwagen mit der Nummer 12709 bis 12718 sind nach Schweden verkauft worden. 12708 ist als Vorführobjekt ebenfalls nach Deutschland gegangen. Die Story hierzu findet sich unter ‚Prospekte‘. Zudem gab es seinerzeit Kontakte zum Schweizer ‚Das Veteranenmotorrd‘. Die Korrespondenz folgt ebenfalls weiter unten. Diese Unterlagen, sowie einige Fotos hat mir der damalige Importeur zur Verfügung gestellt. Danke dafür.

Bender Seitenwagen – wieder auf den Strassen

Bender wieder auf den Strassen

(Der von Rüdiger Ziegler aus dem Dänischen in das Deutsche übersetzte Artikel von Torben Okkels wurde im original in der Februar/März Ausgabe der dänischen Zeitschrift “ Klassisk BIL & MC “ 1992 veröffentlicht.)

Viele Nimbus – und BMW Motorräder und sogar Vespa Roller – wurden dank eines Bender Seitenwagen zu Fahrzeugen für die ganze Familie.

Ein Stück dänische Industrie- und Verkehrsgeschichte begann, als Viggo Bender eine Lehre in der Karosseriefabrik seines Onkels in Emdrup begann. Seine Freizeit verbrachte er damals, bedingt durch die Mitgliedschaft im Motorclub Søborg und Umgebung, mit Motrradfahren. Speedway war der bevorzugte Sportszweig.

Inspiriert durch die Acap Seitenwagenfabrik bekam Viggo Bender selbst Lust Seitenwagen herzustellen und schon im Jahre 1937 stand der erste Seitenwagen aus der Werkstatt im Blytækkervej in Nørrebro bei Kobenhagen zur Auslieferung bereit. Viggo bezeichnete den Wagen als Typ JN 500, und er bekam die Gestellnummer B200. Der Preis betrug damals 450,00 dänische Kronen. Die ersten Seitenwagen wurden komplett, jedoch ohne Mantel und Schlauch, ausgeliefert. Für seine Freunde aus dem Motorsport Club baute er einige Seitenwagen speziell für Geländerennen aber ansonsten nur normale Seitenwagen für den Verkauf.

Das Geschäft lief gut bis zur Besetzung Dänemarks durch Deutsche Truppen 1940 : Katastrophe. Kein Benzin, kein Verkehr, kein Verkauf von Seitenwagen.

1000 im Jahr

Aber Viggo Bender lässt sich nicht aus der Bahn werfen. Er stellt seine Produktion auf Heckenscheren, Schlittschuhe, Ölofen und Gasgeneratoren für Autos um. (Haben einige von diesen überlebt?)

Nach dem Ende der Besetzung kommt wieder etwas Bewegung in die Produktion von Seitenwagen, aber erst in den 50’er Jahren steigt die Nachfrage. Familie Dänemark will endlich wieder raus und die Freiheit nach der Besetzung und den Rationierungen genießen. Die Produktion steigt auf 1000 Seitenwagen im Jahr und die Firma ernährte nun 20 Mitarbeiter. Es wurden vier Modelle hergestellt: Comet, gedacht für Motorroller wie der Vespa, GM für größere Roller wie den Gogo 200, LV für Motorräder bis 500 ccm und das große Model JM 130 gedacht für die größeren Motorräder wie Nimbus oder BMW. Alle Seitenwagenboote waren in Bomben oder Torpedoform. Die Boote für die Seitenwagen der Roller waren auf den Gestellen montiert, die der größeren Modelle hingen in deren Mitte. Eine Konstruktion wie sie auch die deutschen Steib Seitenwagen, sowie die dänischen Akap, Dania, Star und Sterling verwendeten. Die Gestellrohre waren kalt gezogen und an den Fronten elegant mit Aluminium bezogen. Das Seitenwagenrad war mit einem kurzen Schwingarm abgefedert und ungebremst. Die Kotflügel hatten sowohl innen als auch außen Radabdeckungen an den Seiten, um das Wechseln des Rades zu vereinfachen, konnte der komplette Kotflügel durch das Lösen einer einzigen Mutter, nach hinten geklappt werden. Die Beleuchtung lag ähnlich die des VW Typ 1 auf dem Schirm und war nach Hörensagen von der Dänischen Firma Ermax.

Ein eigenes Nummernschild

Bisher ist es dem Verfasser des Artikels jedoch noch nicht gelungen auch nur einen einzigen Seitenwagen mit dieser Beleuchtung zu sehen. Fast alle sind mit dem neueren, stehenden Ermax Licht ausgerüstet. Der Grund dafür ist ohne Zweifel bei dem von 1955 geänderten Verkehrsgesetz zu finden, in dem die älteren Lampen schlicht als unerlaubt gelten. Ebenfalls bekam die Abschirmung das kleine runde Emaile Nummernschild aufgeschraubt da die Seitenwagen bis 1976 einen eigenen Fahrzeugbrief mit eigenem Nummernschild besitzen mussten. Der Verkauf ging gut und soweit sich Viggo Benders Sohn, Søren Bender, erinnert, lagen Kundenbestellungen 2 bis 3 Monate vor der Auslieferung auf dem Tisch. Den alten Auslieferungsbüchern nach, lieferte Bender auch Seitenwagen an Engstrøm und Acap. Aber so kam erneut eine Katastrophe. Diesmal waren aber weder der Krieg noch die Besetzung Dänemarks der Grund, sondern die Gesetzgeber der Regierung. Die Umsatzsteuer wurde nun auch für dänische Fahrzeuge erhoben.

Bender Seitenwagen wurden nun so teuer, das die Kunden lieber einen VW kauften, der billiger als ein Nimbus Motorrad mit Seitenwagen war.

Das Aus in 1958

Die Nachfrage sank auf fast Null. Allerdings hielt Viggo Bender noch die Produktion von Ersatzteilen und vereinzelten Seitenwagen aufrecht. Und wieder denkt man kreativ und stellt die Produktion, wie in den Besatzungsjahren um. Diesmal auf Kühlschränke, ein neues Produkt für die hungernden Käufer. Aber der Abnehmer geht Konkurs und zieht Bender mit in den Fall. Dadurch gehen zum Beispiel alle Werkzeuge die zur Seitenwagen Produktion benötigt werden verloren. Der letzte Seitenwagen wird aus Ersatzteilen zusammengebaut und an einen NSU Händler in der Hauptsrasse in Søborg ausgeliefert. Viggo Bender hat zwar immer noch einige Ersatzteile, aber lebt hauptsächlich vom Verkauf gebrauchter Autos und der Herstellung von Anhängerkupplungen.

Ein Amerikaner kommt ins Land

1960 zieht ein Amerikaner mit dem Namen Remylard durch das Land und kauft alle gebrauchten Bender Seitenwagen auf. Seitenwagen sind aus der Mode gekommen und können fast für einen Händedruck, besser gesagt zum Schrottpreis erworben werden. Remylard sendet diese nach Amerika wo er einen guten Preis dafür erzielt. Irgendwann wendet er sich dann an Viggo Bender, der in der Zwischenzeit nach Skovlunde gezogen war. Remylard sieht einen Verkaufsboom für Seitenwagen und würde fast alles abkaufen, sollte eine neue Produktion starten. Viggos Sohn Søren, der inzwischen erst Werkzeugmacher und später dann Ingenieur wurde, stellte die neuen und teuren Werkzeuge zur Wiederaufnahme der Produktion her. In dem englischsprachigen Verkaufsprospekt wird der Seitenwagen als „The Bender Florin sidecar“ zum Preis von 942,50 US Dollars angeboten. Remylard verkaufte allerdings nur eine Handvoll Wagen in Amerika und Kanada. Die letzten 200 Stück kann Bender noch selbst in Amerika, Japan und Australien verkaufen. Von nun an hält man eine kleine Produktion für den dänischen Markt aufrecht, wo die Motorradfahrer den Charme des Seitenwagenfahrens wieder entdeckt haben. Die letzten Jahre vor Viggo Benders tot in 1986 produzierte man in Herlev.

Ford T und VW Typ 1 wurden zwar in höheren Stückzahlen produziert, aber nicht über einen Zeitraum von 50 Jahren hinweg wie Benders Seitenwagen.

Ein Jütländer erscheint

Aber es ist noch nicht vorbei. Es war knapp, doch dann rief ein Mann aus Jütland eines Tages wegen des Erwerbes einiger Ersatzteile für seinen Seitenwagen an. Doch er bekam zur antwort, dass dies nicht ginge da Viggo Bender verstorben sei und das Haus zum verkauf stand. Allerdings könnte er ja vorbeischauen und sehen ob er die gewünschten Ersatzteile selbst finden kann. Als Gunner Mortensen dann erschien und die halbfertigen Seitenwagen, die Ersatzteile und die feinen Maschinen zur Herstellung sah, beschloss er sich zum Besitzer einer Seitenwagenfabrik zu machen und kaufte alles. Auf dem Bahnhof in Herlev wird das Ganze auf einen Güterzug verladen und nach Vejen in Jütland gesendet. Gunner rechnet nun fest damit in naher Zukunft Seitenwagen zum Selbstbau herzustellen. Es fehlen nur noch die Sitze und die innere Verkleidung sowie das herstellen der Kotflügel, aber Bender Seitenwagen sind dabei wieder aufzuerstehen.

(Der von Rüdiger Ziegler aus dem Dänischen in das Deutsche übersetzte Artikel von Torben Okkels wurde im original in der Februar/März Ausgabe der dänischen Zeitschrift “ Klassisk BIL & MC “ 1992 veröffentlicht.

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